Atemtherapie

In der therapeutischen Arbeit begegnen wir unserem ganz persönlichen Atemverhalten. Wir lernen, wie ein gelassener Beobachter, unser Atemgeschehen, unsere vielfältigen Atembewegungen und Atemräume, wahrzunehmen. Wir lassen den Atem kommen und gehen, ohne ihn zu qualifizieren. Damit tritt das Atmen vermehrt in unser Empfindungsbewusstsein und löst eine neue Erfahrung des eigenen Atemflusses aus. Arbeit am Atem hat nicht Kontrolle über ihn oder Manipulation von ihm zum Ziel, denn jeder Mensch hat sein individuelles Atemmuster. Durch bewusstes Erleben desselben soll sich das Potential der eigenen Atemkraft entfalten.

Damit erlauben wir dem Atemgeschehen mehr Raum einzunehmen, kräftiger, reaktionsfähiger und flexibler zu werden. Die so gestärkte Atemkraft wirkt positiv und stabilisierend auf unsere Befindlichkeit. Der Atem wird so zum "Leitseil", welches Leib, Seele und Geist enger aneinander bindet. Dabei spielt ein sich Hinwenden zu und Sammeln an verschiedenen Körperstellen, unter therapeutischer Anleitung, eine wichtige Rolle. So wird das Körperempfinden gefördert, was Atemerfahrung erst ermöglicht. Die auch so verbesserte Selbstwahrnehmung führt zu mehr Achtsamkeit und einer gelasseneren Lebenshaltung. "Vom geschenkten Atem getragen", könnte der Begriff dafür sein.

Die Atemarbeit kann entspannend oder anregend angewendet werden und wirkt somit ausgleichend auf unser vegetatives Nerven- und Musklesystem (Eutonie). Im Gegensatz zu klassischen Meditationsformen tritt bei der Atemarbeit die körperliche Gesamtempfindung in den Vordergrund, welche dadurch konkreter und gegenwärtiger wird. Atmen ist immer eine Gegenwartserfahrung. Wir können nicht nachvollziehen wie wir gestern geatmet haben oder wie wir es morgen zu tun gedenken. Noch können wir den Atem vor- oder nachholen. Mit der Atemarbeit rückt somit das Leben im "Hier+Jetzt" ins Zentrum.